Anfassen erlaubt – Führung für Blinde auf der Erotikmesse Venus

Veröffentlicht auf von Hans Peter Sperber

Dana und Hans Peter Sperber
Dana und Hans Peter Sperber

Berlin, 13. Oktober 2016

Dieses Jahr fand in Berlin die 20. Erotikmesse Venus in den Messehallen statt. Doch dieses Mal waren ganz besondere Besucher bei zwei Führungen mit dabei. Denn in einer Kooperation von Venus und Berliner Blindenverein ABSV gab es Sonderführungen für Blinde und Sehbehinderte. Diese Führungen fanden während der Woche des Sehens und am Welttag des Sehens statt. Diese Woche hatte das Motto „Liebe, Sex und Partnerschaft“.

Die Führungen waren für die Blinden kostenlos und von der Venus gesponsert. Der Gang über die Sex-Messe wurde vom Hamburger Travestie Star Ella Mortadella geführt. Sie moderierte die Tastführung mit viel Witz, Humor und Charme. Es waren zwei tolle Führungen, die wir Blinde da erleben durften. Die Idee zu diesen Führungen hatte ich – Hans Peter Sperber – während einer Blindenführung über die Grüne Woche dieses Jahres. Da ich als Sehender vor Jahren öfter auf der Venus war. Diesen Gedanken hatte ich schon vor zwei Jahren, aber hatte ihn nicht weiter verfolgt. Erst dieses Jahr schrieb ich die Venus an und fragte nach der Möglichkeit eine Blindenführung zu machen. Ich schlug das auch den ABSV vor. Die zwei Organisationen nahmen Kontakt auf und es gab diese wunderbare Tour über die Venus. Ich bin seit zwei Jahren blind und da war es mir ein Bedürfnis uns Blinden die Welt der Erotik auf der Venus erfahrbar zu machen.

Und so begann am Donnerstagmittag die Tour durch die Welt der Erotik und des Sexes. Der erste Stopp war ein Stand für Dildos und Vibratoren. Es waren Produkte, die mit Reizstrom betrieben werden. Es gab viele verschiedene Modelle in Größe, Form und Farbe. Da waren welche mit Noppen, glatte und geriffelte. Durch die Regulierung des Stromes wurden unterschiedliche Gefühle in der Hand erzeugt, die sicher, beim richtigen Gebrauch, sich verschieden anfühlten. Eine Teilnehmerin meinte, diese Dildos und Vibratoren könne man ja auch bei Rückenschmerzen gut einsetzen. Beim nächsten Stand wurden uns Sex-Puppen gezeigt. Für Frauen gab es sogar eine männliche Puppe, was die Frauen verzückte. Eine Dame meinte, der Penis sei aber etwas klein. Ich fühlte ausgiebig. Sie fühlten sich fast lebensecht an. Ein Standbetreuer erklärte, dass die Puppen um 2000 Euro kosten, und zwischen 24 und 32 kg schwer sind. Es gibt aber auch billigere Puppen.

Süß und lecker wurde es danach. Es wurden uns Penisse und Titten aus Schokolade präsentiert. Wir durften auch probieren. Die Schokopimmel gab es in den Geschmacksrichtungen Meersalz, Chili sowie Zitrone mit Basilikum. Also Chili schmeckte mir am Besten. Es wurde uns auch ein Frauenoberkörper ohne Kopf beschrieben, der für 38 Euro zu haben sei. Richtig sexy und hörbar war dann eine kurze Lesung aus einem erotischen Hörbuch. Es war eine Sex-Geschichte, die von Julia Pink gelesen wurde. Julia ist auch Pornostar und schrieb die Story selbst. Ob da jemand Gefühle zwischen den Beinen bekam? Meine Begleitung erzählte mir, dass Julia blond sei und sexy aussah.

Sehr interessant fand ich dann die Dildos aus Holz. Wir durften hier verschiedene Modelle anfassen. Uns wurden auch die Arbeitsschritte erklärt und wir konnten Modelle des Dildos in verschiedenen Arbeitsstadien auch erfühlen. Da hat man zuerst ein rundes, rauhes Stück Holz in der Hand, das nächste Stück war gedrechselt aber noch nicht lackiert und dann einen fertigen mit Strom betriebenen Vibrator. Der Unterschied war beachtlich. Sie fühlten sich fertig etwas warm an. Das Vibrationsgefühl war anders als bei Silikonvibratoren. Hier war die Vibration vorwiegend vorne bei der Eichel, während bei den Kunststoffmodellen der ganze Vibrator vibrierte. So empfand ich es. Sie sind mit Lack überzogen, damit sie nicht splittern. Rein technisch betrachtet sind die Holzspielzeuge eine gedrechselte Meisterleistung. Eine Frau aus unserer Gruppe war so begeistert, dass sie einen Holzvibrator kaufte. Interessant fanden wir Besucher auch die kleinen elektrischen Fingervibratoren, die auf einen Finger aufgesetzt werden und andere Vibrationsreize erzeugen als die bisher erfühlten Vibros. Es gab auch flüssigen Sex-Spaß für und zu trinken. Da war einmal der Likör Ficken. Ein angenehmer fruchtiger Likör aus der Josta-Beere. Wo ich gleich zwei Gläser probierte. Dann waren da noch die Kinky Drinks. Das waren kleine Schnapsflaschen in Penisform. Eine lustige Idee. Der Standbetreiber erzählte uns, dass ihm die Idee zum 18. Geburtstag seiner Tochter kam. Sie suchten nach einem besonderen Geburtstagsgag und fanden nichts. Da wurde dann selbst ein Gag kreiert und auf dieser Venus hatte diese Flasche Premiere. Es gibt den Likör in den Geschmacksrichtungen weiße Schokolade mit Orangenlikör, dunkle Schokolade mit Minze und Wodka Energy. Der Weiße heißt Jungfrau, der Braune Gentleman und der mit Wodka Macho. Mir schmeckte das Zeug und ich kaufte gleich einige Flaschen. Am Ende des Rundganges besuchten wir den Star-walk, wo die Stars der Branche Autogramme gaben und für Fotos zur Verfügung standen.

Nach der ersten Führung wurde ich als Initiator und Erfinder der Blindenführung von einigen Journalisten interviewt. Während der Führung stand ich Pose für die BZ, wo die Reporterin mich auch interviewte. Ich war da am nächsten Tag in der Zeitung mit einem schönen Bild. Vice.com interviewte mich auch und ein Bericht ist auf diesem Presseportal zu finden. Bei ZoomIN TV stand ich auch im Interview und in einem Filmbeitrag bin ich im Web auch zu sehen. Mit einem Fotografen der Agentur Fotak gab es ein kleines Shooting, wo im Web auch Bilder von mir zu finden sind. Zwischen den Führungen streifte ich mit meiner Begleitung über die Venus und besichtigte die Stände. Da wurde viel Reizwäsche gezeigt, Wäsche für SM-Spiele, es gab auch Striptease und eine Bondage-Show. Auch Dildos aus Gemüse wurden gezeigt. Diese werden geschnitzt, sind aber nicht zum Verzehr geeignet. Ich bevorzugte den Star-walk und meine Begleiterin durfte und musste mich mit vielen schönen weiblichen Pornostars fotografieren. Einige Fotos gibt es hier zu sehen. So konnte ich meinen Arm um die wundervollen Taillen von Mia Gray, Lexy LU, Miss Peel, Lady Doro, Mia Bitch, Lexy Roxx und anderen zum Foto legen. Die Mädels fühlten sich toll an. Besonders fiel mir auf, dass die meisten Stars blond waren. Blond ist Trumpf im Porno. So richtig anfassen ging nicht, aber ich genoss die kleinen Shootings trotzdem in vollen Zügen. Ich ließ mir von meiner Begleitung jede Frau genau erklären, damit ich sie mir vorstellen konnte. Besonders angetan hat es mir Lady Doro, denn die blonde Schönheit hatte mich erkannt. Vor zwei Wochen war ein erstklassiger Bericht über mich als Erfinder der Blindenführung über die Venus im Berliner Kurier. Dazu gab es ein Fotoshooting mit Lena Nitro und Roxxyx. Diesen Bericht hatte sie gelesen und mich erkannt. Wir redeten etwas und es gab einen wundervollen Kuss von ihr. Ich konnte keins der Mädels sehen, aber ich genoss die Fotografiererei total. Es waren grandiose Stunden für mich auf der Venus. Da bin ich nächstes Jahr wieder dabei. Hoffentlich gibt es wieder eine Blindenführung.

Soweit ich mitbekam hatten die Blinden viel Spaß und Vergnügen auf der Venus. Das bestätigte mir auch meine sehende Begleiterin. Ich hatte also einen wirklich guten Einfall. Denn wir Blinde haben ja auch das Recht an der Welt der Erotik und des Sexes teilzunehmen. Wir sehen diese Welt eben mit unseren Händen und Ohren. Dann nehmen wir ja, über die Atmosphäre und Ausstrahlung, wie hier, diese Welt in uns auf. Sicher hätte ich die Mädels gern gesehen, aber was nicht geht geht nicht. Fühlen kann ja auch sooo schön sein! Ich danke ganz herzlich meiner wunderbaren Begleiterin, die prima Fotos für mich schoss. Ich danke auch Herrn Engelhardt von der Venus für diese wunderbare Führung und Erfahrung.

Hier ein Bericht vom internationalen Magazin VICE über die Führung:

http://www.vice.com/de/read/ich-war-mit-einer-blindenfhrung-auf-der-venus-und-es-war-groartig

Bildquelle und Autor: der blinde Hans Peter Sperber von Sperbys Musikplantage

VENUSIMPRESSIONEN von H.P.
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